Nachhaltige Entwicklung. Dieser Begriff wird im 21. Jahrhundert das ökonomische Denken grundlegend verändern. Ökonomie, Ökologie und sozial-kulturelle Gegebenheiten sind in Einklang zu bringen. Vernetzte Denkmodelle und Verhaltensweisen sind erforderlich, um den Herausforderungen der Zukunft in Verantwortung auch für die nachfolgenden Generationen gerecht zu werden.
Dienstag, Januar 23, 2007
Nachhaltige Entwicklung - sustainable development
Die in der jüngeren Wirtschaftsgeschichte vorwiegend ausgeübten Wirtschaftssysteme "Freie Marktwirtschaft", "Soziale Marktwirtschaft" und "Zentralverwaltungswirtschaft“ (landläufig auch Planwirtschaft genannt) zeigen auf, dass diese Systeme an ihre Grenzen stoßen, weil sie kein ganzheitliches Bild des globalen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und umweltrelevanten Handelns betrachten.
Je nach ideologischer Vorstellung werden der Monetarismus, der Keynesianismus oder der Marxismus als Grundlage für ein wirtschaftliches Geschäftsmodell genutzt, um zu versuchen, Wachstum und Wohlstand zu mehren.
Bei diesen und anderen Denkmodellen geht es im Wesentlichen nur um die Märkte für Güter- und Dienstleistungen, Märkte für Geld und Kapital(-verkehr) oder um Arbeitsmärkte. Es wird versucht, die Märkte für Gesundheit und Renten als Sozialmärkte einzubeziehen. Letztlich sind Sozialmärkte aber auch nur Teilmärkte der vorgenannten drei Markttypen. Ein ganz wesentlicher Markt wurde in diesen Betrachtungen bisher weitgehend außer Acht gelassen: der Umweltmarkt. Da die Umwelt selbst keine Kostenrechnung aufstellen kann, wird ein wesentlicher Teil der Kosten, die bei der Beschaffung, Herstellung und dem Verbrauch von Gütern und Dienstleistungen entstehen, nicht berücksichtigt. Diese externen Kosten werden in der volkswirtschaftlichen wie auch in der betriebswirtschaftlichen Gesamtrechnung sträflich vernachlässigt.
Die Schwächen der drei vorgenannten Wirtschaftssysteme liegen offenkundig in der Tatsache begründet, dass man die Umwelt bisher nicht als Marktteilnehmer wahrnehmen will. Alles Handeln - Tun oder Unterlassen - findet statt zwischen Menschen, Unternehmen, Staaten und Organisationen. Markt findet dort statt, wo jemand eine Forderung stellen kann, meistens in Form von Geld. Da die Umwelt keine Rechnung stellt, bleibt Sie als Marktteilnehmer bisher unbeachtet.
Mit dem Begriff „Nachhaltige Marktwirtschaft“ wird auch der Marktteilnehmer Umwelt in das marktwirtschaftliche Geschehen eingebunden. Leider gibt es bis heute (Stand Januar 2007) in der wissenschaftlichen Diskussion noch keine Persönlichkeit, die Nachhaltige Marktwirtschaft zu erklären versucht. Themen wie Klimawandel, Nachhaltigkeit, Nachhaltige Entwicklung lassen sich erst dann ernsthaft weiterentwickeln, wenn die bisherigen Marktteilnehmer bereit sind, anzuerkennen, dass Umwelt einen Preis hat.
Umwelt ist hierbei weit reichend zu definieren. Ob es um Ressourcen und deren Beschaffung geht, um die Verteilung der Ressourcen, ob es um unser Verhalten beim Energieverbrauch geht oder deren Nutzungsarten. Der Umgang mit der Natur - Flora wie Fauna – oder unsere Bereitschaft, Klima schädigendes Verhalten hinzunehmen oder einzudämmen, all diese Aspekte sind zu berücksichtigen.
Umwelt bedeutet aber auch Rücksichtnahme auf andere Regionen und Gesellschaften, sei es bei der Beanspruchung von Ressourcen oder der Herstellung und Verteilung von Gütern, Dienstleistungen aber auch Kapital. Nachhaltige Marktwirtschaft ist ein komplexer Begriff, der hoffentlich bald von vielen Autoren weiterentwickelt wird, damit er Einzug in die gesellschaftlichen Lebensweisen findet und sich die Wissenschaft endlich fundiert mit der „Königin der Marktwirtschaft“ – „Nachhaltige Marktwirtschaft“ beschäftigt.
Schon der Begriff in seiner Ursprünglichkeit selbst: „nach - halten - Markt – wirtschaften“ gibt ein Selbstverständnis:
Nach:
Bei jeder heutigen wirtschaftlichen, sozialen oder ökologischen Handlungsweise wird auch die Frage nach den Folgen dieser Handlungsweise für die Zukunft gestellt.
Halten:
(Nach)halten ist hier im Sinne von Erhalten zu verstehen. Jedes Tun oder Unterlassen hat Auswirkungen auf die Umgebung. Wenn diese individuelle Handlung positiv auf die Umgebung wirkt durch Schaffung von Mehrwert und Wachstum, kann sich Marktwirtschaft entfalten. Wird aber, wie es bisher geschieht, außer Acht gelassen, dass dieser vordergründige Mehrwert auch negative Auswirkungen hat (z.B. Klimawandel) und den Preis dafür andere zu bezahlen haben, dann entsteht kein wirklicher Mehrwert. Profit einzelner Marktteilnehmer zu Lasten anderer, die das Geschäft nicht beeinflussen können, ist nicht nachhaltig (für die Gesellschaft und die Umwelt).
Markt:
Es gibt dutzende Definitionen von Markt. Unstrittig sollte sein, dass ein Markt funktionieren sollte, insbesondere um einen Mehrwert für die Individuen aber auch für die Gesellschaft zu erreichen. Monopolmärkte zeigen Marktversagen an. Insbesondere bei den Ressourcen (Öl, Gas, Kohle, Uran) und deren Vertriebsstrukturen kann man in der Neuzeit die Fehlentwicklungen - auch aufgrund politischer Fehleinschätzungen - erkennen. Die Energiegewinnung, Energiebereitstellung und Energieversorgung sind eine entscheidende Grundlage jedes Wirtschaftssystems, deshalb wirken sich die weiter voranschreitenden Monopolisierungen in diesen Bereichen letztlich negativ auf die Wirtschaftssysteme aus.
Wirtschaft:
Im Sinne von wirtschaften, haushalten. Dies bedeutet eben auch neue Wege gehen. Die bisherigen Marktteilnehmer müssen mehr die Wechselbeziehungen beachten. Durch die Globalisierung ist wirtschaftliches Handeln komplexer geworden. Insbesondere müssen die Marktteilnehmer (Menschen, Unternehmen, Staaten, Organisationen) anerkennen, die Umwelt als neuen Marktteilnehmer vollständig in ihre betriebswirtschaftlichen und volkswirtschaftlichen Rechnungen zu integrieren. Die externen Kosten für Umwelt sind in der Praxis doch schon längst teilweise zu internen Kosten geworden. Allerdings werden die Kosten in der Regel erst dann kalkuliert, wenn sie zu einem Schaden bei einem Marktteilnehmer geführt haben oder die Marktteilnehmer durch Gesetze Auflagen erhalten.
In jüngerer Zeit tauchen neue Disziplinen in den Wirtschaftswissenschaften auf. Durch die Überlegungen in der Spieltheorie, der Hirnforschung, der Sozialforschung, wird der Versuch unternommen, die Komplexität wirtschaftlichen Handelns besser erklären zu können.
Definitionen und ausführliche Hintergründe zu den Begriffen Nachhaltigkeit und Nachhaltige Entwicklung (sustainable development) finden Sie unter www.learn-line.nrw.de
Bereits 1987 hat die von der UNO eingesetzte „Brundtland-Kommission“ versucht, Nachhaltigkeit zu erklären:
1. "Entwicklung zukunftsfähig zu machen, heißt, dass die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt, ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können".
2. "Eine zukunftsfähige Entwicklung ist ein Prozess der Veränderung, in dem die Nutzung der Ressourcen, die Struktur der Investitionen, die Orientierung des technischen Fortschrittes und die institutionellen Strukturen konsistent gemacht werden mit den zukünftigen und den gegenwärtigen Bedürfnissen."
Im Rahmen der UNO- Konferenz in RIO im Jahre 1992 wurde der Weg als "Nachhaltige Entwicklung" definiert. Es sollen die ökonomischen, sozialen und ökologischen Belange so miteinander verbunden werden, dass die heutigen Generationen nicht zum Nachteil der nachfolgenden Generationen handeln. Die Deklaration von RIO ist wegweisend für diese Zusammenhänge.
Präambel: Die Konferenz der Vereinten Nationen für Umwelt und Entwicklung zusammengekommen in Rio de Janeiro vom 3. bis 14. Juni 1992, in Bekräftigung der am 16. Juni 1972 in Stockholm verabschiedeten Erklärung der Konferenz der Vereinten Nationen über die Umwelt des Menschen sowie in dem Bemühen, darauf aufzubauen, mit dem Ziel, durch die Schaffung von neuen Ebenen der Zusammenarbeit zwischen den Staaten, wichtigen Teilen der Gesellschaft und der Bevölkerung eine neue und gerechte weltweite Partnerschaft aufzubauen, bemüht um internationale Übereinkünfte, in denen die Interessen aller geachtet werden und die Integrität des globalen Umwelt- und Entwicklungssystems geschützt wird, in Anerkennung der Unteilbarkeit der Erde, unserer Heimat und der auf ihr bestehenden Wechselbeziehungen stellt fest:
Grundsatz 1: Die Menschen stehen im Mittelpunkt der Bemühungen um eine nachhaltige Entwicklung. Sie haben das Recht auf ein gesundes und produktives Leben im Einklang mit der Natur.
Seit nunmehr 20 Jahren haben die Staaten erkannt und durch Proklamationen anerkannt, dass es notwendig ist, die derzeitigen Marktmechanismen auch in Einklang mit der Natur zu bringen. Allerdings scheint kaum eine Gesellschaft bereit zu sein, den Preis für diese Einsicht anerkennen zu wollen.
Im November 2006 wurde der „Stern-Report“ veröffentlicht, der aufzeigt, welche Folgen für unsere Wirtschaftssysteme auf uns zukommen können. Wenn wir heute nicht bereit sind, den Preis zu bezahlen, der für den wirtschaftlichen Wandel hin zu einer nachhaltigen Marktwirtschaft und den Energiewandel zu bezahlen ist, werden wir mehrfach diese Kosten zu tragen haben. Allein die durch die Monopolwirtschaft initiierten Preiserhöhungen in den Jahren 2000 bis 2006 auf den weltweiten Energiemärkten, die von Unternehmen und Börsen verantwortet wurden, reichten aus, um den Energiewandel auf erneuerbare Energien in den nächsten 20 Jahren massiv voranzubringen. Obwohl es keine natürlichen knappen Märkte gab und die Rohstoffe ausreichend weltweit zur Verfügung standen, haben sich die Preise teilweise vervielfacht. Was wird erst geschehen, wenn wir bei steigender Nachfrage nach Rohstoffen auf ein tatsächlich knappes Angebot stoßen?
Nachhaltige Marktwirtschaft berücksichtigt diese Tatsache bereits heute.Politische Parteien versuchen vereinzelt die Popularität der Begriffe Nachhaltigkeit und Nachhaltige Marktwirtschaft für sich zu vereinnahmen. Dies tun Sie aber nur vordergründig, um Ihre Wählerschichten zu beruhigen. Zu nachhaltigen Reformen sind Sie nicht bereit.
In Deutschland wird dies dadurch deutlich, dass keine der angekündigten Reformen den Stempel der Nachhaltigkeit erhalten kann. Eine grundlegende Steuerreform wurde von den Interessengruppen verhindert. Die Reform der Sozialversicherungssysteme wird zu weiter steigenden Kosten führen, ohne an den Kern der Problemstellungen heranzugehen. Selbst die von der Politik erkannte Notwendigkeit der Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Rahmen der zweiten Handelsperiode von 2008 bis 2012 führt zu heftigem Streit mit der Monopolindustrie. Durch die globalisierten Strukturen der Großunternehmen sind die Handlungsmöglichkeiten einzelner Staaten eingeschränkt. Ordnungspolitik einzelner Gesellschaften ist nur noch schwer durchsetzbar, da hierdurch Wettbewerbsverzerrungen befürchtet werden.
Nachhaltige Marktwirtschaft, das heißt die Einbeziehung des Marktteilnehmers Umwelt und bedeutet die Bereitschaft der Marktteilnehmer
- Menschen (z.B. heutige Sozialstaatsleistungen, Sicherung auch für künftige Generationen),
- Unternehmen (z.B. Produktionskostenkalkulation incl. der Umweltschäden durch Produktionsverfahren bei Herstellung und Vertrieb, Transportkosten),
- Staaten (z.B. Fehlentwicklungen in der Steuer- und Abgabenpolitik korrigieren) und
- Organisationen 1. staatliche Organisationen (z.B. Durchsetzung von als notwendig erkannten Maßnahmen zum Klimaschutz durch EU, UNO u.a.) und 2. private Organisationen (z.B. Stiftungen, die ihr Anlageverhalten der Stiftungsvermögen nach ethischen Maßstäben ihres Stiftungszweckes überprüfen),
zugunsten der Gesamtheit aller Marktteilnehmer, eigene Bedürfnisse zu begrenzen.
Der Mensch steht im Mittelpunkt … im Einklang mit der Natur (Grundsatz 1 der Deklaration von Rio 1992). Dieser Standpunkt sollte in einer modernen Betriebs- und Volkswirtschaftslehre endlich Einzug finden und in politischen Handlungsanweisungen aktiv vorangebracht werden.
Autor:
Dietmar Helmer im Januar 2007
Weblinks:
www.nachhaltigkeit.at
www.nachhaltigkeit.info
www.nachhaltigkeitsrat.de
www.learn-line.nrw.de
www.runic-europ.org
www.nachhaltige-marktwirtschaft.info
www.buergerstrom.org
Mittwoch, November 01, 2006
Ökologische Industriepolitik
Lassen wir den Worten Taten folgen!
Mehr zum Thema unter Bürgerprojekt Photovoltaik
Memorandum für einen „New Deal“
von Wirtschaft, Umwelt und Beschäftigung
BMU, Berlin, Oktober 2006
IV. Leitlinien einer Ökologischen Industriepolitik
Um die doppelte Dividende der grünen Leitmärkte für Umwelt und Wirtschaft zu realisieren, brauchen wir eine aktive Politik.
Deutschland muss die Idee des technischen Fortschritts wiederentdecken. Angesichts des Handlungsdrucks sind „revolutionäre“ Technologiesprünge in industriellen Kernbereichen wie der Energieerzeugung und -verwendung sowie der Stoffnutzung notwendig. Der Markt kann diese
Aufgabe nicht alleine bewältigen. Solange sich mit knappen Ressourcen trefflich Geld verdienen lässt oder wenn Märkte oligopolistisch strukturiert sind, sind diese keine guten Ratgeber.
Notwendig ist eine ökologisch-industriepolitische Strategie im Interesse unserer Umwelt und im ureigensten wirtschaftlichen Interesse.
So können neues Wachstum, neue Wertschöpfung, neue Produkte und neue Beschäftigung entstehen. Die Ökologische Industriepolitik ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Sie braucht einen Staat, der als Pionier vorangeht. Der Dialog der Akteure muss zum „New Deal“ von Wirtschaft, Umwelt und Beschäftigung werden.
Innovation bleibt immer „schöpferische Zerstörung“ (Schumpeter), Win-win-Situationen in Bezug
auf Umwelt und Wirtschaft schließen Verteilungskonflikte innerhalb der Wirtschaft nicht aus. Neue Technologien verdrängen alte Technologien, wachsende Märkte stehen schrumpfenden Märkten gegenüber und damit immer Gewinnern auch Verlierer.
Folgende Leitlinien müssen zum Erfolg der Ökologischen Industriepolitik und damit auch für die
Durchsetzung einer regelrechten globalen Effizienzrevolution im Rahmen einer „dritten industriellen Revolution“ beitragen:
1. Der Staat muss zum Pionier werden
Der Staat und seine Umweltpolitik sind wichtige Innovationstreiber.
2. Benchmarks zur Grundlage ökologisch industriepolitischen Handelns machen
Konkrete Benchmarks tragen dazu bei, die politische Agenda zu strukturieren – etwa wenn sich die Bundesregierung verpflichtet, die Energie- und Rohstoffproduktivität bis zum Jahr 2020 zu verdoppeln und den Anteil Erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung bis dahin auf mindestens 20% zu steigern.
3. Einen intelligenten ökologisch-industriellen Regulierungsrahmen entwickeln
Wenn in einer globalisierten Shareholder-Ökonomie kurzfristige Renditeerwartungen die langfristige Gewinnorientierung überlagern und zum bestimmenden Maßstab unternehmerischer Entscheidung werden, schädigt dies wirtschaftliche Potenziale und ist schlecht für die Umwelt.
4. Exportpotenziale besser ausschöpfen
Die Exportinitiative Erneuerbare Energien hat zum Erfolg der Branche mit beigetragen. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ein Beispiel dafür, wie sich ein erfolgreiches Instrument international durchgesetzt hat und Klimaschutzpolitik zum Erfolg einer Branche maßgeblich beigetragen hat.
5. Markteinführung innovativer Technologien beschleunigen
Staatliche Beschaffungspolitik und intelligente Markteinführungsprogramme können zur Verbreitung von Innovationen beitragen. Aber auch die Unternehmen stehen in der Verantwortung, in ihrer Produktpolitik dem Stand der Technik Rechnung zu tragen.
6. Innovationsfinanzierung für Unternehmen verbessern
Als zentrale Probleme erweisen sich immer wieder die hohen Kosten für. Mit einer Überwindung der Finanzierungshemmnisse und einer verbesserten Innovations-finanzierung könnten erhebliche Innovationspotenziale erschlossen werden.
7. Leadmärkte schaffen und „man to the moon“- Projekte entwickeln
Eine innovationsorientierte Gestaltung der Rahmenbedingung ist wichtig. Darüber hinaus kann strategische und leadmarkt-orientierte Forschungs- und Entwicklungsförderung einen wichtigen Beitrag leisten. „Leuchttürme“ können Orientierung geben und Entwicklungspfade markieren.
8. Neue institutionelle Strukturen für Innovation aufbauen
Innovation braucht Dialog. Aber Dialog braucht eine Struktur – auch um Innovation als gemeinsame Aufgabe von Wirtschaft, Gesellschaft und Politik auf Dauer zu stellen. Innovationsstrategien leiden u.a. darunter, dass sie finanziell, instrumentell und inhaltlich zerfasern.
V. Zukunft braucht Mut
Entlang dieser Eckpunkte wird sich in den kommenden Monaten und Jahren die Agenda einer Ökologischen Industriepolitik entwickeln müssen. Der ökologisch-ökonomischen Herausforderung kann nicht mit der Strategie eines Ministeriums begegnet werden, sondern nur durch eine umfassende und übergreifende Modernisierungsstrategie Europas und der Bundesrepublik. Zu deren Gelingen müssen die Regierungsressorts ebenso beitragen wie die Wirtschaftsverbände, die Unternehmen, die Wissenschaft und die zivilgesellschaftlichen Akteure.
Technologische Fragen und Entwicklungen werden dabei eine wichtige Rolle spielen. Technologische Innovationen müssen aber eingebettet sein in soziale und ökonomische Innovationen sowie kulturelle und gesellschaftliche Reflexion. Wer einen neuen Fortschritt will, kann das nur im Konsens organisieren.
Neuer Fortschritt braucht einen „New Deal“, einen Gesellschaftsvertrag für Umwelt, Wirtschaft
und Beschäftigung. Diesen Vertrag können wir nur gemeinsam schließen. Er wird für niemanden
kostenlos zu haben sein. Aber er schafft neue Synergie und baut auf neue Allianzen als Ergebnis
radikal veränderter Rahmenbedingungen. Ökologie und Ökonomie sind immer weniger Widerspruch, ökonomische und ökologische Rationalitäten bewegen sich aufeinander zu – unaufhaltsam und immer schneller. Das zu realisieren und die Diskussion über die Konsequenzen weiter anzustoßen, dafür steht das Bundesumweltministerium.
Freitag, Oktober 13, 2006
Eine unbequeme Wahrheit - Klimawandel - und was jeder Einzelne tun kann
Es gibt in den letzten Jahren keine ernst zu nehmende wissenschaftliche Abhandlung mehr, die den Klimawandel bezweifelt. Er findet statt. Es sind Lobbyisten aus interessierten wirtschaftlichen und politischen Kreisen, die wissentlich desinformieren, um Unsicherheiten in der Bevölkerung zu schüren.
Das schlimme dabei ist, dass es funktioniert. Anstatt dem Thema Klimawandel dynamisch entgegenzutreten, wird gebremst, wo es nur geht, um die derzeitigen Besitzstände und Toprenditen der Energiemonopolisten zu sichern.
Der Film "Eine unbequeme Wahrheit" dokumentiert einen Vortrag von Al Gore. Es werden anschaulich wesentliche Fakten zum Klimawandel genannt. Es ist ein Film mit gutem Informationsgehalt.
Sie können auf die Website www.eine-unbequeme-wahrheit.de ein paar Informationen auch zum Energiesparen nachlesen.
Auf der Website
http://ec.europa.eu/environment/climat/campaign/index_de.htm
können Sie die aktuellen Informationen zur Klimaschutzkampagne der EU und dem Thema Klimawandel abrufen.
Hier werden auch viele nützliche Tipps gegeben, was der Einzelne selbst zum Klimaschutz beitragen kann. Energiesparen ist dabei das Hauptthema.
Mein Anliegen ist eine Bürgerbewegung ganz anderer Art.:
Werden Sie Ihr eigener Energieproduzent.
Es ist heute bereits für den Einzelnen möglich, seine Energie zu 100% aus erneuerbaren Energien zu erhalten.
Da aber nicht jeder eine Biogasanlage bauen kann oder ein Solarkraftwerk oder Erdwärmepumpen etc. kann sich der Einzelne auch auf sein CO2-Äquivalent konzentrieren.
Sie, ja Sie allein verbrauchen selbst oder sind ursächlich für ca. 10,14 to CO2 pro Jahr (Herstellung von Energie, Verbreitung von Energie, Verbrauch von Energie durch Industrie, Gewerbe, Auto, Haushalte - europäischer Durchschnitt).
Wird z.B. der Haushaltsstrom durch eine Solaranlage erzeugt, spart man pro produzierter kwh etwa 500g CO2 ein. Bei einem Verbrauch von ca. 1.300kwh pro Jahr als Single, könnten das schon 650kg CO2-Minderung sein.
Damit der Klimawandel nicht so kommt, wie er sich heute abzeichnet, wenn wir nichts unternehmen, sollte jeder Einzelne das Mögliche tun. Beteiligen Sie sich an einem Bürgerprojekt Photovoltaik und produzieren Sie Bürgerstrom aus erneuerbaren Energien.
Nachhaltige Marktwirtschaft wird nicht von der Großindustrie vorangebracht. Die hat andere Interessen, als das Wohl der Bevölkerung und der Umwelt zu fördern. Die Monopole und viel zu viele Politiker haben noch nicht verstanden, dass es für eine nachhaltige Entwicklung wichtig ist, ein Gleichgewicht zwischen ökonomischen, ökologischen und sozialen Aspekten herbeizuführen.
Zumindest kann man heute über die globale Erwärmung und den Klimawandel öffentlich sprechen, ohne sofort als weltfremd denunziert zu werden.
Klimawandel ist real. Vermindern wir ihn. Heute.
Starten Sie ein Bürgerprojekt in Ihrer Gemeinde.
Beispielhaft können Sie auf der Website www.buergerstrom.org lesen, was Sie tun können und warum es sich lohnt, etwas zu ändern.
Sonnige Grüße
Ihr Dietmar Helmer
Sonntag, September 03, 2006
BDI - Thumann-Worthülsen zum Thema Innovationen
(Kolumne Folge 6)
In der ADAC-Motorwelt 10/2005 schreibt der Präsident des BDI, Herr Jürgen R. Thumann über die Stärke der deutschen Industrie.
„Made in Germany ist weltweit anerkannt….“
Zitat:
„Wir müssen unsere Stärken in Forschung, Technologie und Innovation offensiv ausbauen. Bei vielen dieser Faktoren steht Deutschland immer noch gut da: Man denke an die hohe Zahl der Patente, den innovativen Mittelstand und die Ausbildung der Arbeitskräfte. Die Wirtschaftspolitik der letzten Jahre hat jedoch zu wenig auf Wertschöpfungspotenziale bei wissensbasierten, forschungsintensiven, innovativen Produkten und Dienstleistungen gesetzt.
Nur im Ausbau von Wissensvorsprüngen liegt unsere ökonomische Zukunft. Die Generierung von Ideen und deren Umsetzung in innovative Produkte und Verfahren sind für uns der Schlüssel zur Zukunft. Wir haben nach wie vor enorme wirtschaftliche Zukunftspotenziale, und wir haben alle Chancen, diese Potenziale zu erschließen. Die Politik bleibt aufgefordert, die Rahmenbedingungen hierfür zu setzen, für Wachstum und Beschäftigung sorgen dann die Unternehmer.“ Zitat Ende
Man kann jedem dieser Sätze uneingeschränkt zustimmen. Wenn man das liest, müssten Umweltschützer und Unternehmer eigentlich Hand in Hand gehen und ein glückliches Paar bilden.
Eine der innovativsten Branchen in Deutschland sind die Zukunftstechnologien der regenerativen Energien. Ob z.B. bei Photovoltaik, Windkraft, Geothermie, es finden hier „Quantensprünge“ in der Entwicklung und der Umsetzung in Produkte statt. Nach dem, was Herr Thumann sagt, müsste der BDI uneingeschränkt die Förderung der regenerativen Energien unterstützen. Das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) erfüllt alle Voraussetzungen, um die Aussagen des BDI-Präsidenten in praktische, reale Produkte und Verfahren umzusetzen. Die Bürger sind bereit, hierfür einen Anteil von 3% ihrer jährlichen Stromrechnung, das ist ein halber Cent pro kwp, ca. € 18,-- im Jahr zu bezahlen.
Dennoch versucht der BDI in seinen Positionspapieren (www.bdi-online.de) zum EEG einseitige Industriepolitik der etablierten Unternehmen zu betreiben. Der Staat hatte früher mit hohen Subventionen die alten Industrien jahrzehntelang unterstützt, sei es bei Werften, Kohle oder Stahl. Der Staat hat durch das EEG erreicht, dass keine Subventionen fließen müssen, sondern die Bürger über den Strompreis die Innovationen und Techniken der Zukunft mitbezahlen. Niemand hätte was dagegen, wenn die Industrie dies selbst massiv tun würde.
Durch das EEG fließt das Geld aber nicht zu den Stromkonzernen, sondern in die Taschen der Bürger, die solche Anlagen bauen. Die Marktwirtschaft hat nun mal die Eigenschaft, dass bei technologischem Wandel neue Wettbewerber auf den Markt treten, wenn die bisherigen Unternehmen sich nicht mitwandeln.
Wir müssen das Wissenspotential schöpfen, Innovationen fordern und fördern.
Wenn in den nächsten Jahren hunderttausende von Bürger-Unternehmern als Marktteilnehmer auftreten, die gar keinen Strom mehr von der Industrie brauchen, ist das in den Augen des BDI und der interessierten Industriekreise wie das Öffnen der „Büchse der Pandora“. Man sollte Verständnis haben, wenn die Stromkonzerne Angst davor haben. Strom, den man nicht selbst verkaufen kann, bringt keinen Gewinn.
Energie ist aber nicht nur ein rein ökonomisches Thema. Wie Energie erzeugt wird, ist für die Menschheit eine zentrale Frage aus ökologischer und sozialer Sicht. Nachhaltige Marktwirtschaft wird eine zentrale Aufgabe moderner Politik sein.
Diese Kolumne (Folge 6) wurde für das Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer geschrieben.
Bürgerstrom mit Photovoltaik
(Kolumne Folge 5)
Wir hatten zuletzt erfahren, dass eine Einzelperson, die als Verbraucher und als Unternehmer mit einem Kapitaleinsatz von € 7.000 engagiert ist, den durch ihn/sie verursachten CO2 – Verbrauch um 0,65 t senken kann, wenn der persönliche Stromverbrauch zu 100% aus regenerativer Sonnenenergie produziert wird.
Nebenbei kann man mit einer Verzinsung von 3%-4% über die Dauer von 20 Jahren dank garantierter Stromeinspeisevergütung rechnen.
(http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/5982/)
Je mehr Menschen sich heute entschließen, in Photovoltaik zu investieren, desto schneller ist es möglich, für immer mehr Menschen diese Technologie nutzbar zu machen. Wir haben die Möglichkeit und die Verantwortung dafür, dass auch die Entwicklungsländer eine faire Chance haben, Zugang zu diesen Technologien zu marktfähigen Preisen zu bekommen.
Wer den Begriff „Nachhaltige Entwicklung“ ernst nimmt, welcher sich aus der Verbindung Ökonomie-Ökologie-Soziales gestaltet, (http://www.learn-line.nrw.de/angebote/agenda21/info/nachhalt.htm), wird die nachhaltigen Effekte eine Industriepolitik begreifen, die allen Menschen und der Umwelt zugute kommt.
Nichts spricht dagegen, dass ein kwp Solaranlage in 15-20 Jahren nur noch € 1.000 oder sogar weniger kostet. Demnach könnte eine kwh für 10ct vermarktet werden, möglicherweise sogar weniger.
Da z.B. Kohlekraftwerke mit moderner Technik zur Vermeidung von Emissionen ausgestattet werden müssen und es die Natur von Unternehmen ist, Preise zu steigern, werden wir bis dahin die 10ct leicht erreicht haben, sodass auch die Photovoltaik den Markteintritt schaffen wird.
Alles Spekulation? Die Verfahrenstechnik ist revolutionär auf dem Gebiet der Photovoltaik. Ganz nebenbei sei erwähnt, dass für die Entdeckung des photovoltaischen Effektes Albert Einstein im Jahre 1921 den Physiknobelpreis erhalten hat. (http://www.energieland.nrw.de/service/brosch_
down/Photovoltaik.pdf)
Heute werden über 90% des Solarzellenmarktes von Zellen auf Siliziumbasis beliefert. Es gibt sehr vielversprechende Zellen, die auf Dünnschichtverfahren beruhen. (http://www.zsw-bw.de/de/%20main.html ) Bei Massenherstellung dieser Produkte werden die Preise einen schnelleren Schub nach unten machen, als wenn man nur auf die Siliziumtechnik setzt.
Richtig aufregend wird das Thema Photovoltaik, wenn man dem Visionär Martin Roscheisen glauben kann. Die Firma Nanosolar (http://www.nanosolar.com/index.html) geht davon aus, dass Solarzellen auf nanotechnologischer Basis nur noch ein Zehntel des heutigen Preises kosten werden. (Handelsblatt, 27.09.05).
Die Zukunft beginnt jeden Tag. Die Unerschöpflichkeit unseres Geistes wird uns aufzeigen, dass eine moderne Energieversorgung auf regenerativer Basis möglich ist. Dass bei diesen ökonomischen Veränderungsprozessen Unternehmen, die sich nicht weiter entwickeln auf der Strecke bleiben, ist sonnenklar.
Wollen wir hoffen, dass es in Deutschland genug Unternehmer gibt, die bereit sind, diese Herausforderung anzunehmen und sich für Arbeitsplätze auch in Deutschland einsetzen.
Die Politik hat es in der Hand, einen innovationsgünstigen Rahmen zu setzen.
Diese Kolumne (Folge 5) wurde für das Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer geschrieben.
Donnerstag, Juni 15, 2006
CO2-Emissionen einsparen mit Bürgerstrom
(Kolumne Folge 4)
Wie soll ich als Einzelner denn etwas gegen den Klimawandel ausrichten können? Die Politiker, die Unternehmer, die Reichen sollen mal anfangen.
Es ist nachvollziehbar, dass sich der Einzelne hilflos fühlt, wenn man die Szenarien der Wissenschaftler liest. Aber jeder von Ihnen kann etwas tun, ohne auf den anderen Schauen zu müssen.
Sie hatten erfahren, dass jeder Bundesbürger 10,14 t CO2/a/K produziert, indem die Kraftwerke, die Industrie, der Verkehr und die Haushalte als Gesamtheit diesen Ausstoß verursachen (http://www.iea.org/).
Das ist unser Lebensstandard, den wir uns erarbeitet haben und den wir genießen. Gehen Sie davon aus, dass der Rest der Welt diesen Standard auch anstrebt. Oder wollen Sie den ca. 6 Mrd. anderen Menschen verwehren, so zu leben wie Sie?
Deshalb ist gerade das Thema Photovoltaik so prickelnd. Bei dem derzeitigen Strommix produziert man bei der Herstellung 1 kwh elektrischer Leistung 600g CO2. Bei der Herstellung 1 kwh elektrischer Leistung aus Photovoltaik werden nur 100g CO2 produziert. (Arbeitsgemeinschaft DLR/IFEU/WI, Bericht für das BMU) (http://www.erneuerbare-energien.de/) Somit kann jeder Bürger durch den Solarstrom 500g/ CO2/kwhel einsparen.
Als 4-Personen-Haushalt verbrauchen Sie ca. 4.000kwh Strom. Sie können 500g CO2/kwh einsparen, wenn Sie Solarstrom verwenden, d.h. 2 t/a CO2 Ersparnis pro Haushalt. Das ist doch ein Anfang.
Die Leistung einer Solaranlage wird in kwp gemessen. In unseren Breitengraden ist damit eine Stromernte von 1.000kwh/a nicht unwahrscheinlich. Mit 4 kwp, die derzeit etwa € 22.000 kosten, die Sie sagen wir, zu 3/4 fremd finanzieren, können Sie das Dach eines Einfamilienhauses bedecken. Durch das EEG (http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/5982/) kann eine solche Anlage wirtschaftlich betrieben werden.
Ein Single, der ca. 1.300kwh/a Strom braucht, kann sich mit einem Betrag von ca. € 7.000 nahezu emissionsfrei beim Stromverbrauch machen. Und das, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Folgt man der Lernkurventheorie, dass bei Steigerung der Produktion die Kosten pro Einheit fallen, dann werden wir erleben, dass durch den massenhaften Ausbau der Photovoltaik, die Preise in 10 Jahren bei weniger als der Hälfte von heute liegen werden. Noch mal 10 Jahre weiter wird es noch günstiger sein.
So einfach kann Energiewandel sein. Sagen Sie nicht, dass das nicht möglich ist. Wir Deutschen sparen fleißig. Allein 2003 wurden € 151,3 Mrd. gespart (Gesamtgeldvermögen € 3.922 Mrd.) (http://www.bvr.de/public.nsf/index.html?ReadForm)
Diese Kolumne (Folge 4) wurde für das Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer geschrieben.
Ist die weltweite Energieversorgung im Wesentlichen durch erneuerbare Energien möglich?
Bürgerprojekt Photovoltaik
(Kolumne Folge 3)
Wir hören immer wieder das Argument: Energiegewinnung nur durch erneuerbare Energien ist gar nicht möglich, weil die Sonne nicht immer scheint, der Wind nicht immer weht, das Wasser nicht immer fließt usw. Was ist dran an dem scheinbar logischen Argument?
Der Energieverbrauch der Menschheit hat im Jahr 2000 insgesamt 423 ExaJoule (EJ) betragen. Das sind umgerechnet 117.500.000.000.000kwh (1kwh = 3.600kJ)
Laut Brockhaus-Enzyklopädie entspricht die nutzbare Sonneneinstrahlung auf die Erde dem 5.800fachen dieses Weltenergieverbrauchs. Warum soll der Verstand des Menschen nicht ausreichen, die Sonnenenergie mit einem Anteil von nur ca. 0,018% nutzbar zu machen?
Das Hauptproblem ist nicht, dass man genug Energie regenerativ gewinnen kann, sondern wie man es schafft, diese Energie ausreichend verfügbar zu haben. Vieles ist heute noch nicht machbar. Denkt man kurzfristig, lässt man es dabei und zählt auf das Bewährte. Lassen Sie die Phantasie etwas schweifen, selbst wenn diese Vorstellung ihre persönliche Lebensphase überschreitet.
Nehmen wir einfach mal an, dass die UNO sich dazu hinreißen lässt, mit der Energiefrage energischer umzugehen. Ein gut gemeinter Anfang ist das Kyoto-Protokoll (http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/info service/download/pdf/dokumente/kyoto protokoll.pdf).
Kein anderes Thema ist besser zur Globalisierung geeignet für die Staatengemeinschaft der Welt, wie das Energiethema. Unwetter, Überflutungen, Dürren, Veränderungen des Meeresspiegels, Hurrikans, Tsunamis, Wassermangel, Energiemangel: kein Staat der Erde wird dauerhaft von einem dieser Ereignisse verschont bleiben. Selbst wenn es jemanden nicht direkt trifft. Spätestens über den Preis bei Energie wird er die Veränderungen doch zu spüren bekommen.
Die Staaten verpflichten sich z.B. zu Auflagen im Bau, dass die Dächer für Photovoltaikanlagen und Solarkollektoren zur Verfügung stehen müssen, Fenster und Glasfassaden werden als nanobeschichtete Solarzellen genutzt. Wärmeisolierende Fassadenanstriche reduzieren den Heizungsverbrauch. Erdnahe geothermische Nutzung sorgt für einen hohen Anteil der Haus-wärmeversorgung. Durch Blockheizkraftwerke werden Energie-ströme gekoppelt. Nachwachsende Rohstoffe sorgen als Biodiesel für CO2-neutralen Kraftstoff in Autos. Neben diesen dezentralen Einheiten sorgen großtechnische Geothermie-Kraftwerke im Leistungswert heutiger Kohlekraftwerke für die Grunddeckung. Daneben schaffen Gezeitenkraftwerke und großtechnische Windkraftwerke Unabhängigkeit von Öl, Kohle, Gas und Uran.
Warum stört sich heute jemand daran, dass wir in 50 Jahren vielleicht 90% des Gesamtweltenergieverbrauchs regenerativ herstellen?
In diesem Jahr sind die Energiepreise um 176 €/a gestiegen. Durch das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) sind die Haushalte in Deutschland verpflichtet, gerade einmal 3%, das sind 18 €/a, für die Entwicklung der regenerativen Energien zu bezahlen.
Der Preisanstieg ist im Wesentlichen durch die weltweit ständig steigende Nachfrage nach Energie und die Unwetter verursacht. Wer glaubt, dass diese beiden Faktoren dauerhaft zurückgehen werden? Allein schon deshalb brauchen wir neue Technologien, um die Abhängigkeit unserer Lebensweise von den Produzenten und Lieferanten zu reduzieren.
Diese Kolumne (Folge 3) wird mit freundlicher Unterstützung des Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer gestaltet.
CO2-Emissionen pro Einwohner und Energiewandel
Bürgerprojekt Photovoltaik
(Kolumne Folge 2)
Der „Hunger“ nach Energie und die Wachstumsraten allein von Ländern wie China und Indien machen es erforderlich, der Frage ernsthaft nachzugehen, wie man wenigstens einen erhöhten Ausstoß des klima-schädlichen Gases CO2 in den nächsten 20 Jahren vermeidet.
In der Deklaration von RIO aus dem Jahre 1992 wird in diesem Zusammenhang von der nachhaltigen Entwicklung gesprochen:
Prinzip 3: Das Recht auf Entwicklung muss so wahrgenommen werden, dass die Bedürfnisse heutiger und künftiger Generationen sowohl nach Entwicklung wie nach dem Schutz der Umwelt erfüllt werden.
Prinzip 11: Die Staaten müssen eine wirksame Umweltschutzgesetzgebung erlassen…
Prinzip 25: Frieden, Entwicklung und Umweltschutz hängen voneinander ab und sind unteilbar.
Die Einwohner Europas + USA verursachten im Jahr 2000 bei 757 Mio Einwohnern (Harenberg aktuell 2005) Gesamtemissionen von
10.067 Mio t CO2/a, d.h. 13,30 t CO2/a/K (http://www.iea.org/).
China und Indien mit 2.306 Mio Einwohnern hatten Gesamtemissionen von 3.851 Mio t CO2/a, d.h. 1,67 t CO2/a/K.
Selbst wenn wir in Europa/USA in den nächsten 25-30 Jahren 50% dieser Emissionen reduzieren können, d.h. auf 6,65t CO2/a/K, wird bei nur einer Verdreifachung der Emissionen in China/Indien allein, der weltweite CO2-Ausstoß um ca. 19% zunehmen, wenn der heutige Energiemix Standard bleiben sollte.
Wir wissen, dass wir weltweit einen enormen Bedarf an mehr Energie haben werden. Somit stellt sich nur die Frage, wie wir diesen Bedarf decken werden. Um nachhaltige Entwicklung zu fördern, sollte man wenigstens die Forderungen der EU anerkennen wollen, in den nächsten Jahren den europäischen Energiebedarf erheblich aus erneuerbaren Energien zu gewinnen. Beim Strombedarf z.B. bis 2010 zu 21%.(http://www.erneuerbare-energien.de/inhalt/5890/20073/#4) (http://www.erneuerbare-energien.de/files/pdfs/allgemein/application/pdf/kom_anteil_ee_eu.pdf)
Das Wachstumspotential an Arbeitsplätzen kann gar nicht hoch genug bewertet werden. Denn wenn Europa und insbesondere auch Deutschland Technologieführer in diesen Schlüsseltechnologien sein wird, können wir durch moderne Arbeitsplätze der Zukunft auch bei uns nachhaltige Arbeitsplätze schaffen.
Ökonomisches Denken lässt sich hervorragend mit ökologischen Handlungsweisen verbinden.Durch neue Energietechnologien können sich auch die Entwicklungsländer unabhängiger entfalten. Freier Zugang zu Energie mit bezahlbaren Preisen ist ein wesentliches Element der sozialen Entwicklung in vielen Staaten der Welt.
Ganz aktuell hat der WWF am 04.10.05 eine Studie veröffentlicht (http://www.wwf.de/presse/pressearchiv/artikel/02698/index.html) aus der ersichtlich ist, wo die 30 größten CO2 - Produzenten Europas sind. Ernüchternd ist, dass 9 der 30 größten Umweltverschmutzer aus Deutschland kommen. Eine Detaillandkarte zeigt die Standorte der Kraftwerke und die Emissionswerte.
Diese Kolumne (Folge 2) wird mit freundlicher Unterstützung des Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer gestaltet.
CO2- und Energie- Verbrauch pro Kopf und Jahr
Bürgerprojekt Photovoltaik
(Kolumne Folge 1)
Der Gemeinderat und die Stadtverwaltung von Remseck haben es ermöglicht, dass auf öffentlichen Dächern Bürgersolaranlagen erstellt werden können. Bürgerinitiativen können daher die Dächer des Gymnsasium Remseck, der Realschule Remseck oder des Dienstleistungszentrums Pattonville mit Photovoltaikanlagen bebauen.
In dieser Kolumne werde ich laufend über die Möglichkeiten zu einem nachhaltigen Energiewandel sprechen.
Insbesondere im Hinblick auf den Klimawandel und die neuesten Erkenntnisse aus der Studie des Hamburger Max-Planck-Institut für Meteorologie über den Einfluss des Menschen auf die sich verändernden Klimadaten, (http://www.ipcc.ch/pub/nonun/IPCC02_WG1_D.pdf) sehe ich es als wichtig an, zu Fragen einer modernen Energie- und Klimapolitik Stellung zu beziehen.
Es ist mittlerweile unstrittig in der Wissenschaft, dass CO2 wesentlich zur Erwärmung der Erdatmosphäre beiträgt.
Der Einzelne fragt sich, welchen Einfluss man selbst darauf hat. Lt. Internationale Energie Agentur [IEA (http://www.iea.org/) -Bericht von 2001] verbraucht
jeder Einwohner in Deutschland 172 GJ Energie pro Jahr.
Das entspricht umgerechnet 47.816 kwh.
Der pro Kopf Verbrauch an CO2 beträgt 10,14 t pro Jahr.
Der Weltdurchschnitt beträgt 2,89 t CO2/a/K.
Wenn man die Wachstumsraten des Energieverbrauchs in Staaten wie China (derzeit 2,40 t CO2/a/K) oder Indien (derzeit 0,92 t CO2/a/K) ansieht, zeigt sich, dass man einem Anwachsen des CO2-Ausstoßes ernsthaft nur begegnen kann, wenn die nachgefragte Energie im Wesentlichen auch auf erneuerbare Energien beruhen wird.
Da es sich um ein Thema der nächsten Jahrzehnte handelt, sollte man von kurzfristigen Denkweisen Abstand nehmen. Es gibt keine gute oder schlechte Energiegewinnungsform. Es gibt aber bessere, modernere, umweltschonendere, Arbeitsplatz schaffende und vor allem nachhaltigere.
Würde heute ernsthaft jemand sagen, dass die Autos vor 40 Jahren bereits gut genug waren? Außer aus Nostalgie gibt sich heute niemand mit dem Autostandard von vor 40 Jahren zufrieden. Der technologische Fortschritt war notwendig und unaufhaltbar. Warum sollte das bei der Energiegewinnung anders sein? Wer hat eigentlich Angst vor dem Energiewandel?
Als Stadt Remseck leisten wir einen aktiven Beitrag zum Energiewandel, indem wir die Dächer der öffentlichen Gebäude für interessierte Bürger zur Verfügung stellen, um Photovoltaikanlagen zu bauen.
Ebenso wollen wir Öffentlichkeitsarbeit leisten, indem wir die Bevölkerung über Fakten wie in diesem Artikel informieren.
Diese Kolumne (Folge 1) wird mit freundlicher Unterstützung des Bürgerprojekt Photovoltaik von Dietmar Helmer gestaltet.
Samstag, Januar 21, 2006
EON Reisen = EO Navigare
Dass Energieriesen auch Bildungsreisen für interessierte reiselustige Bürger anbieten, ist nicht neu. Diese Tätigkeit gehört eigentlich nicht zum Kerngeschäft eines Energieunternehmens, scheint aber hohe Renditen abzuwerfen.
Es ist wichtig, dass mögliche Entscheidungsträger vor Ort sehen, wo das Gas herkommt, das man für seine Gemeinde beziehen möchte. Ganz nach dem Prinzip: „Kaufe nur was du siehst“ – selbst wenn es unsichtbar ist.
Es könnte ja jeder behaupten, dass das Gas von der Plattform kommt. Das muss man genau anschauen. Recht haben die Leute aus Politik und Verwaltung.
Das ist wie mit der Anekdote von der Oma, die mit ihrem 100.000 EUR Sparbuch zur Bank geht und fragt, ob sie das Geld sehen kann. Nur dann könne sie ruhig schlafen, wenn sie weiß, dass das Geld auch wirklich im Tresor der Bank ist. Direkt nach der Auszahlung sagt sie vielen Dank, jetzt bin ich beruhigt und zahlt den Betrag wieder ein.
Ein Kommunalpolitiker muss natürlich den Anfang der Gaspipeline anschauen und prüfen, ob das Gas auch wirklich reinkommt. Auch kann man sicher nicht von einer Vergnügungsreise sprechen, wenn heftige Winde in der Nordsee einem um die Ohren fegen. Die Power-Point-Präsentation und der Fachvortrag sind viel authentischer auf der Gas-Plattform, als daheim im schnöden Rathaussaal.
Dass behauptet wird, dass sich mögliche Entscheidungsträger durch eine solche Bildungsreise in ihren Entscheidungen bei den Lieferverträgen zulasten der Bevölkerung beeinflussen lassen könnten, stimmt doch so nicht.
Recht haben sie, die Leute aus Politik und Verwaltung. Schließlich haben sie keine Ahnung von diesen Preiskalkulationen und können somit auch nicht die richtigen Fragen stellen.
Schließlich sitzen in den Konzernen lauter anständige Kaufleute. Die können rechnen. Zudem fährt man in der Gruppe, da sind die Reisekosten günstiger. Das spart Geld und senkt die Preise – alles klar?
Deshalb schlage ich vor, dass die Energiekonzerne jedem Stromkunden eine Bildungsreise bezahlen, damit diese renitenten Strompreis-erhöhungsverweigerer endlich verstehen, warum es so wichtig und richtig ist, dass die Gaspreise in die Höhe schnellen.
Herzliche Grüße
Ihr Dietmar Helmer
Samstag, Januar 07, 2006
Wieviel Sonne darf's denn sein?
Wir hören immer wieder das Argument: Energiegewinnung nur durch erneuerbare Energien ist gar nicht möglich, weil die Sonne nicht immer scheint, der Wind nicht immer weht, das Wasser nicht immer fließt usw. Was ist dran an dem scheinbar logischen Argument?
Der Energieverbrauch der Menschheit hat im Jahr 2000 insgesamt 423 ExaJoule (EJ) betragen. Das sind umgerechnet 117.500.000.000.000kwh (1kwh = 3.600kJ)
Laut Brockhaus-Enzyklopädie entspricht die nutzbare Sonneneinstrahlung auf die Erde dem 5.800fachen dieses Weltenergieverbrauchs. Warum soll der Verstand des Menschen nicht ausreichen, die Sonnenenergie mit einem Anteil von nur ca. 0,018% nutzbar zu machen?
Das Hauptproblem ist nicht, dass man genug Energie regenerativ gewinnen kann, sondern wie man es schafft, diese Energie ausreichend verfügbar zu haben. Vieles ist heute noch nicht machbar. Denkt man kurzfristig, lässt man es dabei und zählt auf das Bewährte. Lassen Sie die Phantasie etwas schweifen, selbst wenn diese Vorstellung ihre persönliche Lebensphase überschreitet.
Nehmen wir einfach mal an, dass die UNO sich dazu hinreißen lässt, mit der Energiefrage energischer umzugehen. Ein gut gemeinter Anfang ist das Kyoto-Protokoll (http://www.auswaertiges-amt.de/www/de/info service/download/pdf/dokumente/kyoto protokoll.pdf). Kein anderes Thema ist besser geeignet für die Staatengemeinschaft der Welt, wie das Energiethema. Unwetter, Überflutungen, Dürren, Veränderungen des Meeresspiegels, Hurrikans, Tsunamis, Wassermangel, Energiemangel: kein Staat der Erde wird dauerhaft von einem dieser Ereignisse verschont bleiben. Selbst wenn es jemanden nicht direkt trifft. Spätestens über den Preis bei Energie wird er die Veränderungen doch zu spüren bekommen.
Die Staaten verpflichten sich z.B. zu Auflagen im Bau, dass die Dächer für Photovoltaikanlagen und Solarkollektoren zur Verfügung stehen müssen, Fenster und Glasfassaden werden als nanobeschichtete Solarzellen genutzt. Wärmeisolierende Fassadenanstriche reduzieren den Heizungsverbrauch. Erdnahe geothermische Nutzung sorgt für einen hohen Anteil der Hauswärmeversorgung. Durch Blockheizkraftwerke werden Energie-ströme gekoppelt. Nachwachsende Rohstoffe sorgen als Biodiesel für CO2-neutralen Kraftstoff in Autos. Neben diesen dezentralen Einheiten sorgen großtechnische Geothermie-Kraftwerke im Leistungswert heutiger Kohlekraftwerke für die Grunddeckung. Daneben schaffen Gezeitenkraftwerke und großtechnische Windkraftwerke Unabhängigkeit von Öl, Kohle, Gas und Uran.
Warum stört sich heute jemand daran, dass wir in 50 Jahren vielleicht 90% des Gesamtweltenergieverbrauchs regenerativ herstellen?
In diesem Jahr sind die Energiepreise um 176 €/a gestiegen. Durch das Energie-Einspeise-Gesetz (EEG) sind die Haushalte in Deutschland verpflichtet, gerade einmal 3%, das sind 18 €/a, für die Entwicklung der regenerativen Energien zu bezahlen.
Der Preisanstieg ist im Wesentlichen durch die weltweit ständig steigende Nachfrage nach Energie und die Unwetter verursacht. Wer glaubt, dass diese beiden Faktoren dauerhaft zurückgehen werden? Allein schon deshalb brauchen wir neue Technologien, um die Abhängigkeit unserer Lebensweise von den Produzenten und Lieferanten zu reduzieren.
Sonnige Grüße
Freitag, Januar 06, 2006
Bürgerprojekte Photovoltaik
Organisieren Sie ein Bürgerprojekt Photovoltaik in Ihrer Heimatstadt. Machen Sie sich unabhängig von den Energiemonopolen.
Nachhaltigkeit in der Energieversorgung auch für die nachfolgenden Generationen ist durch den massiven globalen Ausbau der regenerativen Energien möglich.
Gestalten Sie mit. Bürgerprojekt Solarstrom
Ihr Dietmar Helmer